Autor Thema: Sayonara!  (Gelesen 3771 mal)

Harry

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Sayonara!
« am: 16. November 2005, 18:12:49 »
Sayonara!


Es war einer der Tage, wo Mac sich wünschte, den Anrufbeantworter doch nicht gekauft zu haben. Wie üblich hatte er den Rückspulknopf gedrückt und sich die aufgezeichneten Nachrichten angehört. Ein paar Freunde meldeten sich zurück. Sein Broker bat ihn um einen Rückruf. Jack Dalton war mal wieder in der Stadt. Oh, Mann. Dann hörte er Petes Stimme. Und es war etwas in ihr, dass Mac genauer zuhören ließ. Pete lud ihn zum Abendessen ein. 20:00 Uhr, 745 Thurlow Street. Das war alles an Information. Pete sagte ihm weder den Grund für die Einladung noch welche Art Restaurant es war. Plötzlich hatte Mac einen schlechten Geschmack im Mund, aber wenn der Chef einen auffordert, ihn zu treffen, nun - dann mußte man schon gehen. Ob man wollte oder nicht.

* * * Mac hielt den Wagen vor dem Haus of 745 Thurlow Street an und sah seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Er stieg aus und gab dem Mann, der die Wagen parkte, seine Autoschlüssel. Mac sah an sich hinunter. Untertreibung war eines seiner größten Talente und er war sich nicht sicher, ob man ihn überhaupt in Jeans und Turnschuhen und ohne Krawatte in dieses Restaurant hinein lassen würde. Aber der Mann am Empfang kümmerte sich gar nicht darum und ließ ihn hinein. Mac sah sich um. Er befand sich in einem großen Raum, der durch Trennwände aus Papier in kleinere Abteilungen aufgeteilt war. Eine kleine, freundlich lächelnde Frau führte ihn zu einer dieser Abteilungen, nachdem er ihr gesagt hatte, wen er hier treffen sollte. Pete wartete bereits auf ihn.

"Oh. Hallo, Mac. Schön, dass du da bist. Und pünktlich."

Mac klemmte sich neben Pete hinter den flachen Tisch. "Hallo, Pete. Wenn ich vorher gewußt hätte, wo wir uns treffen, wäre ich nicht gekommen."

Pete lächelte. "Ja, ich weiß. Darum habe ich ja auch nur die Adresse auf deinem Anrufbeantworter hinterlassen."

Mac senkte seine Stimme. "Pete, du weißt, wie ich japanisches Essen hasse. Wozu soll ich dieses Opfer bringen?"

"Still. Keine Sorge. Ich habe an alles gedacht."

"Ich werde aber keinen rohen Fisch essen. Vielleicht kann ich ja nachher irgendwo noch ein Nudelgericht auftreiben."

Sie unterbrachen ihre Unterhaltung, weil die Kellnerin mit einem Tablett voller Gläser kam.

"Whiskey Soda für sie, Mr. Thornton. Und Orangensaft für ihren Freund. Ist das richtig?"

"Ja, genau." Pete lächelte zurück.

Mac verzog den Mund, langte nach dem Glas und roch daran. "Selbst der Saft riecht nach Fisch." Sagte er und nippte an seinem Getränk.

"Mac, bitte. Führe dich nicht auf wie ein Kind. Ich hatte meine Gründe, dich hierher zu bitten." Er senkte seine Stimme. "Einige meiner früheren DXS-Kollegen informierten mich, dass bald ein Frachter aus Japan hier einlaufen wird, der eine Ladung verseuchter Computerdisketten an Bord hat. Ihre Informanten in Japan haben berichtet, dass man vorhat, die Disketten in allen Bereichen unseres Landes zu verteilen: Regierung, Polizei, überall. Kannst du dir vorstellen, was dann los ist? Alle Dateien in nullkommanix vernichtet."

"Und was soll ich dabei tun?" Mac schüttelte den Kopf. Dann starrte er an die Decke und beobachtete die kleinen roten Papierlampen, die ein warmes Licht verbreiteten.

"Meine DXS Freunde hatten früher mal Kontakt zu einer sehr wichtigen Person in Japan - der Tochter einer einflußreichen Familie. Sie hat gegen einen ihrer Verwandten ausgesagt und das DXS hat ihr eine andere Identität verpaßt. Du weißt, was ich meine?"

Mac nickte. "Laß mich raten. Sie lebt jetzt hier."

Pete lächelte. "Besser. Sie arbeitet hier und sie ist bereit, uns zu sagen, was sie über den Frachter weiß: Ankunftszeit, Name und noch mehr. Das Problem ist nur: weil sie unter Schutz steht, will sie uns nirgendwo anders treffen. Sie versteckt sie hier. Also müssen wir sie hier treffen. Du wirst schon sehen. Ein wirklich nettes Mädchen."

Mac zuckte mit den Achseln. Dann kam die Kellnerin zurück, mit einem Tablett voller Essen. Sie lächelte immer noch. "Ich schätze, das ist für sie, Mr. Thornton." Sie stellte ihm einen nett dekorierten Teller mit rohem Gemüse und rohem Fisch hin.

Pete sog das Aroma ein. "Ja, danke. Mmmm, Sashimi. Das Beste in der Stadt, Mac."

Mac sah Pete irritiert an. Er schluckte. "Ich hoffe, du tust das nicht nur, um mich fertig zu machen." Dann sah er auf seinen Teller.

"Und Hühnchen Sukiyaki für ihren Freund."

Mac lächelte erleichtert. Die Kellnerin nickte ihnen noch einmal zu und verschwand dann. Mac nahm Messer und Gabel. "Das nächste Mal würde ich mein Essen gerne selbst auswählen." Flüsterte er.

"Okay, okay!" Pete hatte sich auch für das normale Besteck entschieden. Wegen seines Sehproblems kam es für ihn nicht mehr in Frage, mit Stäbchen zu essen. Sie begannen zu essen. Dann kam die Kellnerin wieder und brachte die Teller weg. Statt dessen stellte sie zwei kleine Porzellanschalen, Tee und noch ein paar andere Dinge.

Mac runzelte die Stirn. "Was kommt jetzt? Noch mehr Überraschungen?"

Pete stieß ihn in die Seite. "Jetzt wird es geschäftlich."

Er unterbrach, weil die Papiertrennwand wieder bewegt wurde. Eine junge Frau in traditioneller japanischer Kleidung erschien. Sie setzte sich gegenüber von Pete und Mac hin und begann mit den Vorbereitungen für die altehrwürdige Teezeremonie. Mac beobachtete jede Bewegung, die sie machte. Sie tat etwas Tee in eine Schale, nahm eine Art Pinsel und rührte den Tee mehrfach um. Dann bot sie die Schale Pete an, und dabei hielt sie sie mit beiden Händen. Pete tastete nach der Schale und beugte sich etwas, um zu trinken.

Als er näher an sie heran kam, sagte sie: "Ist das der Mann, von dem sie mir erzählt haben?"

Pete nickte. "Ja, sein Name ist MacGyver. Er ist unser Spezialist für Computer, Elektronik und solche Sachen."

"Wird eine Person ausreichend sein?"

Pete lachte. "Er ist unsere Ein-Mann-Show."

Sie hielt mit der Zeremonie inne und legte Pete einen Finger auf die Lippen. "Still. Ich kann nicht sicher sein, ob ich nicht doch beobachtet werde. Meine Leute haben Informanten überall. Ich bin in Gefahr und sie werden auch in Gefahr sein, wenn sie nicht aufpassen."

Pete nickte. Sie füllte eine zweite Schale und wiederholte die gleiche Prozedur. Dieses Mal bot sie die Schale Mac an.

"Das Schiff wird morgen kommen. Ein Frachter namens Nikojima. Pier 18. So gegen 18:00 Uhr. Sie müssen sie aufhalten oder sie werden ein Chaos in den USA anrichten, um die Kontrolle zu übernehmen."

Mac nahm einen Schluck Tee. Er schmeckte wunderbar. "Sonst noch etwas?"

"Die Disketten werden in hölzernen Kisten sein. Offiziell sind sie als Anti-Virus-Disketten deklariert, aber im Gegenteil, sie werden den Virus nicht löschen. Sie werden ihn verändern und verbreiten. Eine Zeitbombe."

Plötzlich hörten sie Leute ängstlich aufschreien. Papierwände wurden verschoben. Mac, Pete und das japanische Mädchen versuchten zu fliehen, aber sie hatten keine Chance. Zwei Japaner bauten sich vor ihnen auf. Sie trugen Waffen. Die Männer zeigten auf das japanische Mädchen und befahlen ihr, ihnen zu folgen. Sie sah sie ängstlich an. Pete war so perplex, dass Mac dachte, es wäre an ihm, die Initiative zu ergreifen.

"Hey, Leute. Sie vollzieht gerade die Teezeremonie für mich und ist noch nicht fertig damit." Er grinste die Männer frech an.

Der Japaner, der vor ihm stand, zielte nun mit der Waffe auf Mac. Es war keine Automatic, sondern ein altmodischer Revolver. Dieser Mann war offensichtlich ein John Wayne Fan, dachte Mac. Der Revolver war nicht voll durchgeladen. Er hatte eine leere Kammer und Mac hatte eine Idee. Pete hatte die unbenutzten Essstäbchen in die Brusttasche seiner Anzugjacke gesteckt und das Mädchen hatte immer noch die Schale mit dem dicken Pinsel in der Hand. Perfekt.

"Ich bin sicher, sie haben einen Grund für ihr Verhalten, aber wenn ich esse, mag ich keine Unterbrechungen." Mac griff sich eines der Essstäbchen und schob es blitzschnell in die leere Patronenkammer des Revolvers. Nun war die Waffe blockiert. Mit der linken Hand langte Mac nach der Schale und schleuderte sie samt Inhalt in das Gesicht des anderen Mannes. Beide Männer wurden von dem Angriff überrascht. Mac nutzte die Verwirrung, um Pete und das Mädchen am Arm zu greifen und weg zu ziehen. Nach dem Hinterausgang suchend, durchquerten sie die Küche. Dann eilten sie auf Macs Auto zu. Er drehte den Zündschlüssel, legte den Gang ein und raste davon. Im Rückspiegel sah er, wie die beiden Männer ihnen nach liefen. Ihr Auto war von einem anderen parkenden Wagen blockiert, so dass sie Macs Auto nicht folgen konnten.

Mac holte tief Luft. "Soviel zum Zeugenschutzprogramm der DXS."

Pete sah ziemlich fertig aus. "Was jetzt? Sie kann nicht zum Restaurant zurück. Und - ich muß erst mit meinen Freunden sprechen, bevor wir eine Entscheidung treffen können."

"Nun!" Mac fuhr sich mit den Fingern durch die Haare. "Sie kann bei mir bleiben. Für ein paar Tage." Er sah in den Rückspiegel auf das Mädchen auf dem Rücksitz. Sie zitterte immer noch vor Angst.

"Vielleicht erwarten sie aber genau das. Sie haben deinen Wagen gesehen, Mac. Sie kennen dein Nummernschild. Wir sollten das alles bedenken."

"Dann werden wir einen anderen Ort finden. Ich habe eine Idee. Okay, das wird gehen. Pete. Ich werde ich jetzt nach Hause bringen. Ruf deine Freunde an; sie sollen ihr eine neue Identität basteln. Wir treffen uns in 2 Tagen wieder. Entweder können wir den Frachter stoppen oder sie stoppen uns. Ich rufe dich dann an. Okay?"

"Okay," Pete nickte. Als Macs Tonfall konnte er erkennen, dass dieser kein "nein" als Antwort akzeptieren würde. Pete wußte, dass Mac bereits einen Plan hatte, aber nicht weiter in Details gehen wollte. Pete stieg aus, als Mac den Wagen vor Petes Haus anhielt.

"Eine Idee, wo wir hingehen könnten?" fragte Mac das Mädchen.

Die junge Japanerin schüttelte den Kopf. "Ich habe das Restaurant noch nie verlassen."

Mac runzelte die Stirn. "Wirklich. Das ist ja nicht zu glauben. Vielleicht können wir später eine Art Besichtigungstour machen, aber jetzt müssen wir erst mal einen Platz finden, wo wir über Nacht bleiben können, und ich glaube, ich habe da schon eine Idee."

* * *

Er nahm die Ausfahrt zum Flughafen. Sie passierten den Trakt für die internationalen An- und Abflüge und hielten auf den Frachtflughafen zu. Am Tor fragte Mac nach Jack Dalton. Die Wache sah auf ihrem Block nach. "Dalton Air? Ja. Er hat vor ein paar Tagen einen Hangar angemietet. Nr. 21. Auf der linken Seite, Sir."

"Danke." Mac nickte.

"Gern geschehen."

Sie fuhren nach links. Vor einem kleinen Hangar stand eine alte DC3 Frachtmaschine. Jack Dalton stand auf einer Leiter vor dem Hangar und machte ein Schild mit seinem Name darauf fest. Mac und das Mädchen stiegen aus dem Wagen aus.

"Hallo, Jack."

"Mac? Welch nette Überraschung. Ich hätte nicht gedacht, dich so schnell hier zu sehen."

"Nun ja. Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen."

In der Zwischenzeit war Jack von der Leiter gestiegen. "Hey, nettes Mädchen, Mac. Ein Mitbringsel von deinem letzten Asientrip?"

Mac griff Jack beim Arm. "Jack, bitte. Hör auf herumzukaspern. Wir sitzen bis hier oben im Schlamassel." Er deutete auf seine Kehle. "Ich bin nicht für Witze aufgelegt." Er führte das Mädchen ins Büro.

Jack folgte ihnen. "Worum geht es denn?"

"Sie ist eine von Petes Informanten."

"Wirklich? Genau das war mein erster Gedanke, als ich diese wunderschöne, exotische junge Lady sah." Jack lächelte und nahm seine Mütze ab.

"Jack, laß das. Die japanische Mafia ist hinter ihr her. Das Zeugenschutzprogramm hat versagt. Wir brauchen einen Platz zum Übernachten."

"Warum bringst du sie nicht zu dir?"

Mac ging Jacks Naivität so langsam auf die Nerven. "Sie haben meinen Wagen gesehen. Vielleicht wissen sie jetzt, wo ich wohne. Pete dachte, es wäre zu riskant und ich denke das auch."

"Okay." Jack lächelte. "Ihr könnt hier bleiben. Ich schlage vor, die Lady nimmt die Koje im Büro und wir beide schlafen im Flugzeug."

"Einverstanden." Mac sah erleichtert aus.

Jack deutete auf die Wand. "Hey, Miss. Wenn sie sich umziehen wollen, vielleicht finden sie etwas passendes dort drüben im Schrank."

Sie lächelte ihn schüchtern an. Mac und Jack verließen das Büro und schlossen die Tür hinter sich. Einige Minuten später kam das Mädchen nach, in einem dunkelgrauen Overall. Er war etwas zu groß und sie hatte die Ärmel und Hosenbeine umgekrempelt. Jack und Mac starrten sie an. Ihr Gesicht war nun frei von Make-up und ihr langes schwarzes Haar hing schwer über ihre Schultern.

"Wirklich hübsch," flüsterte Jack. Laut sagte er: "Ich wußte gar nicht, dass Overalls so kleidsam sein können."

Sie lächelte und sah an sich herunter. "Haben sie schon eine Entscheidung wegen unseres Problems getroffen, Mr. MacGyver?" fragte sie mit ihrer dünnen Stimme.

"Bitte, nur MacGyver oder Mac." Mac sah auf seine Uhr. "Ich denke, ich sollte mir mal das Pier ansehen. Wenn der Frachter erst mal angelegt hat und entladen ist, werden wir nicht in der Lage sein, die Verteilung der Disketten zu verhindern."

"Aber Mac? Du sagtest, die Typen haben euch im Restaurant angegriffen. Sie werden dich wiedererkennen."

Mac grinste. "Vielleicht auch nicht. Ich werde mich verkleiden. Leihst du mir deine Pilotenjacke?"

Jack zögerte. "Das ist meine Lieblingsjacke. Was hast du vor?"

"Jack, vertraue mir. Du kriegst sie zurück. Unsere japanischen Freunde werden bald die Bekanntschaft von Dexter Fillmore machen." Mac band sein Haar im Nacken zusammen und zog seine alte Hornbrille aus der Tasche. Dann zog er Jacks Jacke an und sagte mit verstellter Stimme. "Willst du eine Pizza Hawaii? Okay. Wir liefern Pizzas in alle Teile der Stadt. Selbst zum Hafen."

Jack lachte. "Ich verstehe, was du vorhast. Eine große für mich. Ich verhungere fast."

Mac gab ihm das OK-Zeichen, stieg in seinen Wagen und fuhr dann zum Hafen. Kurz vor der Pier hielt er bei einem Italiener und bestellt zweimal Pizza. Das Essen legte er auf den Beifahrersitz. Dann setzte er seine Baseballkappe auf und fuhr langsam an der Pier entlang, bis er Pier 18 erreicht. Über der Tür eine großen Lagerhauses entdeckte Mac ein Schild mit japanischen Buchstaben. Wachen gingen dort am Zaun entlang. Mac hielt vor der Haupttür an. Er stieg aus und griff sich die Schachteln mit der Pizza.

"Hey. Wer von euch hat die Pizza bestellt? Ich habe hier eine Hawaii-Pizza und eine mit viel Käse."

Eine der Wachen griff ihn beim Arm und hielt ihn am Eingang zum Lagerhaus auf. "Wir haben nichts bestellt." Der Mann hatte eindeutig einen Akzent. "Wir essen kein Fastfood."

Das war die Reaktion, die Mac erwartet hatte. Er gab vor, sich aufzuregen. "Aber - hier auf meinem Bestellformular steht es doch: zweimal Pizza für Pier 81. Also. Da sind sie also."

Die Wache drängte ihn weiter zurück und zeigte ihm das Schild mit der Piernummer. "Hast du eine Leseschwäche, Freundchen? Was ist das? Das ist Nummer 18. Diese ist Pier 18, nicht 81."

"Kapiert." Mac setzte ein beleidigtes Gesicht auf. Er stotterte: "Vielleicht sollte ich einfach gehen und meinen Auftrag erledigen. Es tut mir leid. Wirklich. Kommt nicht wieder vor."

Der Japaner ließ ihn los.

Mac rettete sich in seinen Wagen und fuhr eiligst weg. Während der Unterhaltung hatte er sich das Gebäude genau angesehen. Was er gesehen hatte, sah vielversprechend an. Nun mußte ihm nur noch etwas einfallen, wie man die Kerle dazu kriegte, die Disketten lange genug im Lager liegen zu lassen.

* * *

Mac kehrte auf direktem Weg zum Hangar zurück.

Jack sah ihn erwartungsvoll an. "Erfolg gehabt?"

Mac grinste ihn an. "Morgen wird die japanische Mafia im Besitz von 5 Millionen wertloser Disketten sein. Das verspreche ich. Ich brauche nur noch ein paar Sachen. Und ich brauche deine Hilfe."

Jack lächelte. "Du kannst auf mich zählen. Wie immer. Welche Pizza ist für mich?"

Mac checkte die Schachteln. "Die hier."

Beide Männer setzten sich auf die Treppe, die zum Flugzeug hinauf führte und genossen das Essen. Jack sah zu Mac hinüber. "Hast du nicht gesagt, du warst schon essen?"

Mac warf ihm einen gequälten Blick zu. "Du weißt, was ich von japanischem Essen halte. Übrigens, schläft unser Gast schon?"

"Ja, ich denke. Ihr Name ist Michiko. Süße Michiko, ich lieb' sie soooooo." Begann Jack zu singen.

"Jack. Laß das. Was, wenn sie zuhört?"

"Okay. Sind wir also wieder ernst. Was brauchst du denn noch für deinen Angriff?"

Mac hatte ein wissendes Lächeln auf den Lippen. "Das werde ich dir morgen sagen. Gute Nacht, Jack."

"Süße Träume, Mac." MacGyver betrat das Flugzeug. Jack hatte bereits zwei Hängematten aufgehängt. Mac suchte sich eine davon aus.

* * *

Am nächsten Morgen wurde Mac durch ein Schnarchen geweckt. Er sah sich um. Jack Dalton war mitten in einem Traum. Mac versuchte, wieder einzuschlafen, aber es klappte nicht. Also entschied er sich, aufzustehen. Als er das Flugzeug verließ, entdeckte er, dass Michiko ebenfalls schon wach war. Sie bot ihm eine Tasse Kaffee an.

"Ich hoffe, ich habe es richtig gemacht. Normalerweise trinke ich Tee."

Mac nahm einen Schluck und nickte. "Schmeckt gut. Sie sind echt begabt. Aber, hören sie. Sie müssen nicht als Kellnerin, oder wie das bei ihnen heißt, in diesem Restaurant arbeiten. Pete erledigt ein paar Anrufe und in Zukunft wird alles besser werden. Freier."

Sie sah ihn lange an und schüttelte dann resignierend den Kopf. "Soweit weg kann ein Platz gar nicht sein, dass sie mich nicht finden. Ich habe sie betrogen und sie werden nicht ruhen, bis sie mich nach Hause gebracht haben."

"Und? Was wird dann passieren?"

"Wieviel wissen sie über die Traditionen der Japaner?"

Mac dachte nach. "Ich schätze - nicht viel."

"Um die Ehre meiner Familie wiederherzustellen, erwartet mein Vater von mir die Zeremonie mit dem Schwert."

Mac schluckte unwillkürlich. "Harakiri?"

Sie nickte stumm.

"Treffen sie keine hastigen Entscheidungen. Sie sind nicht in Japan. Sie sind in einem Land, wo die Leute wählen können. Pete findet immer Lösungen für Probleme wie ihre. Sie können ihm vertrauen."

* * * Nach dem Frühstück suchten Mac und Jack die umliegenden Hangars ab. Sie brauchten vier Generatoren - die Dinger, mit denen man alte Propellermaschinen anwerfen konnte. Sie brauchten fast den ganzen Morgen dazu. Dann fuhr Mac in die Stadt und kam mit vier Schaltuhren zurück.

Jack war neugierig auf Macs Plan, aber Mac wollte ihm nichts sagen. Um 16:00 Uhr verließen sie den Flughafen. Mac parkte den Wagen auf der Straße an der Rückseite der Lagerhäuser von Pier 18. Sie luden die Generatoren aus. Mac gab Jack zwei der Schaltuhren.

"Ich denke, 20:00 Uhr wäre eine gute Zeit. Und bitte, Jack, so unauffällig wie möglich."

Jack wollte schon sagen: "wie immer", aber dann ließ er es bleiben. Dieses Mal war die Lage wirklich ernst. Beide Männer beeilten sich, ihren Job zu machen. Jeder plazierte einen Generator an seiner Seite des Lagerhauses. Mit Drähten verbanden sie die Generatoren mit den Metallstreben des Gebäudes. Dann wurden die Uhren angebracht. Anschließend zogen sie sich zum Wagen zurück. Jetzt konnten sie nur noch hoffen, dass der Frachter 'Nikojima' pünktlich eintraf und sie es irgendwie schafften, die Leute zu bewegen, die Ladung einzulagern.

Kurz vor 18:00 Uhr schleppte ein Schlepper den Frachter an die Pier. Der Zollinspektor hatte keinerlei Einwände gegen die Fracht. Mit einem hohen Kran begannen die Japaner, Paletten mit hölzernen Kisten auszuladen. Das Lagerhaus an Pier 18 war das letzte in einer langen Reihe von Gebäude. Die schmale Straße entlang des Wassers war der einzige Zugang für Transportfahrzeuge. Etwas weiter hintenn entdeckte Mac den Lastwagen, der die Kisten abholen sollte. Verdammt.

Jack hatte den Wagen auch entdeckt. "Der Laster, ja? Wir müssen ihn stoppen."

"Genau. Aber wie?"

"Warte eine Minute. Das werde ich übernehmen." Jack huschte die Straße entlang. Vor einem der benachbarten Lagerhäuser stand ein Lastwagen, beladen und zur Abfahrt bereit. Der Motor lief. Der Fahrer mußte nur noch im Büro ein paar Unterschriften leisten. Jack kletterte ins Führerhaus hinein und legte einen Gang ein. Langsam bewegte sich der Laster rückwärts. Die Hinterräder rutschten von der Pier und der Laster stoppte, weil der Metallrahmen des Aufliegers an einem Pierkopf hängen geblieben war. Aufgeregt kam der Lastwagenfahrer aus dem Büro gelaufen. Er wechselte den Gang, aber er konnte den Truck weder vor noch zurück bewegen. Sie würden alles abladen müssen, um den leeren Laster wieder auf die Pier zu hieven.

Mac grinste. Kein Fahrzeug würde so schnell dort vorbei kommen. "Nette Idee, Jack."

Jack war stolz, dass sein Plan geklappt hat. Die zwei Männer verbargen sich wieder und beobachteten das Chaos vor dem Lagerhaus. Eine Menge Leute waren unterwegs. Kraftfahrer hupten, aber es änderte sich nicht. Tatsache war, dass nun die Japaner ihre Fracht erst mal im Lagerhaus unterbringen mußten, anstatt sie sofort wegzubringen. Mac sah auf seine Uhr. Nur noch 10 Minuten übrig. Nun waren alle Kisten im Lagerhaus. Die Crew der 'Nikojima' war zu ihrem Schiff zurück gekehrt. Nur so zirka 20 Leute standen noch vor dem Lagerhaus, als die Generatoren ansprangen. In Sekundenschnelle stand der gesamte Metallrahmen des Gebäudes unter Hochspannung. Für Jack sah es ein wenig nach einer Weihnachstbeleuchtung aus. Die Farben der Metallstreben changierten von blau bis rot. Lautes Knistern war überall zu hören. Die Männer, die in der Nähe des Rahmens gestanden hatten, waren durch die Wucht fort geschleudert worden. Die anderen, die nichts abbekommen hatten, beeilten sich herauszufinden, was passiert war. Sie schalteten nach einander die Generatoren aus. Die Lightshow war vorbei. Mac sah ganz zufrieden aus.

"Nettes Feuerwerk, Mac. Aber was genau ist da jetzt passiert?"

Mac lächelte. "Du warst Zeuge der größten Magnetspule, die ich je gebaut habe. Magnetismus ist Gift für Disketten. Nun liegen da 5 Millionen wertlose Disketten."

"Was ist mit den Generatoren?"

"Wir werden morgen nachsehen, ob wir sie holen können. Sonst wird Pete neue kaufen müssen. Okay, gehen wir. Ich muß mal telefonieren."

Sie huschten zum Auto zurück.

* * *

Eine Stunde später traf Pete beim Flugplatz ein. Ein DXS Agent begleitete ihn. Mac und Jack erwarteten sie bereits vor dem Hangar. Pete stellte seinen früheren Kollegen vor. "Mac, Jack, das ist Agent Brewster. Ich habe dir doch von ihm erzählt, Mac. Erinnerst du dich?"

Mac nickte. "Willkommen Haben sie einen neuen Platz für Michiko gefunden?"

Sie schüttelten sich die Hände und Brewster nickte. "Wir müssen ihnen danken, Mr. MacGyver. Das nächste Mal suchen wir bessere Verstecke aus. Und in bezug auf die heiße Fracht haben sie gute Arbeit geleistet." Er klopfte Mac anerkennend auf die Schulter. "Nun, wir haben eine neue Identität für das Mädchen geschaffen: neuer Name, neuer Wohnort, neue Freunde."

Mac wollte etwas sagen, aber Brewster stoppte ihn. "Nein. Lassen sie es. Sie kennen das Geschäft doch und sie wissen, dass wir nicht riskieren können, dass jemand anderes Details kennt."

Mac nickte. "Ja, ich weiß."

Jack wandte sich zum Hangar um. "Ich gehe und hole sie. Sie wartet im Büro."

Als sie zurück kamen, trug Michiko wieder ihr traditionelles japanisches Kleid. Mac öffnete die hintere Wagentür und sie stieg ein. Bevor Brewster auch einstieg, drehte er sich noch mal um. "MacGyver, bevor wir herkamen, dachte Pete, es wäre eine gute Idee, mal bei ihrer Wohnung vorbei zu schauen. Also, ich muß zugeben, es war richtig, dass sie nicht dort waren."

Mac zog die Stirn kraus. "Was ist mit meiner Wohnung?"

Pete versuchte ihn zu beruhigen." Sie - haben ein paar Sachen demoliert. Brewster schätzt es als Warnung ein."

"Sie demolierten ein paar Dinge? Was für Dinge? Du meinst, sie haben mein Apartment zerlegt?"

"Mac, bitte. Nicht aufregen. Das würde doch nicht ändern." Pete versuchte, Mac davon abzuhalten, sich Brewster zu greifen. Da zog plötzlich jemand an Macs Ärmel. Michiko hatte das Fenster herunter gedreht. "O-jama shimash'ta! O-kinodoku ni! Danke für alles. Es tut mir leid für sie. Sayonara, MacGyver-san."

Mac sah eine Träne in ihrem Augenwinkel. Dann schloß sie das Fenster wieder und das Auto fuhr ab. Jetzt konnte Pete Mac nicht länger zurück halte. "Komm schon, Pete. Beeilung. Ich will das mit meinen eigenen Augen sehen. Ich hoffe, du willst mich nicht nur auf die Rolle nehmen." Mac fuhr davon, ohne auch noch Jack Auf Wiedersehen zu sagen.

Pete gab Jack einen Stoß. "Danke für die Hilfe, Jack. Bis dann." Dann ging Pete zu seinem Wagen und wies einen Fahrer an, Mac zu folgen.

* * *

Mac und Pete parkten vor Macs Apartment. Mac entdeckte, dass die Tür gewaltsam geöffnet worden war. In seinem Apartment herrschte das totale Chaos. Sie hatten seine Couch aufgeschlitzt und den Fernseher demoliert. Alle seine Bücher, Zeitschriften und das Labormaterial war über den Boden verstreut. Mac fuhr sich mit der Hand durch die Haare. "Wenn das eine Warnung sein soll, was hätten sie dann gemacht, wenn wir hier gewesen wären?"

"Gute Frage." Pete sah etwas müde aus. "Meiner Meinung nach solltest du umziehen. Du kannst nicht sicher sein, dass sie nicht eines Tages zurück kommen."

"Ich werde darüber nachdenken, Pete." Mac bückte sich und hob ein paar Zeitschriften auf. Dann entdeckte er, was darunter lag. Er hob den Gegenstand auf. Er war sein Lieblingseishockeyschläger.

"Schau, was sie damit gemacht haben. Zerbrochen. Das war der beste, den ich je hatte." Er versuchte, die Stückchen zusammen zu setzen.

"Kannst du es reparieren?" Pete kam näher.

"Mit Klebeband? Soll das ein Witz sein? Die Stabilität ist weg, selbst wenn die beiden Stück aneinander gefügt werden. Da kann man nur noch ein Feuer mit machen." Mac warf die beiden Stücke weg. Weil er keinen Antwort von Pete erhielt, drehte Mac sich um und er sah, wie Pete etwas Verstecktes hinter der Tür hervor zog.

"Mac, ich wußte, es würde dein Herz brechen, den Hockeyschläger zerbrochen vorzufinden. Also dachte ich, das wenigste, was ich tun kann, ist, dir einen neuen zu kaufen." Er gab ihn Mac.

Mac wog den Stock in der Hand. "Hm. Du hast eine gute Wahl getroffen. Danke, Pete." Mac nahm eine Rolle Klebeband vom Boden auf, setzte sich und begann, das Band um den unteren abgeknickten Teil des Schlägers zu wickeln. Dann stand er auf, zielte damit und schoß einen unsichtbaren Puck in ein unsichtbares Tor.

"Sieht gut aus, Mac." Pete lächelte.

"Nun, ich würde wissen, wie er auf dem Eis ist."

"Mac, es ist Sommer."

"Und wenn schon! Mit ein bißchen gutem Willen kann man fast alles arrangieren." Sagte er zu Pete, mit einem Betteln in der Stimme.

Pete gab nach. "Okay. Ich werde sehen, was ich tun kann. Manchmal kannst du einem mit deiner Eishockeyleidenschaft aber schon auf die Nerven gehe."

Mac stieß ihn an. "Ja, ich weiß. Schlimm?"

Pete schüttelte den Kopf. "Es gehört mit zu deiner Persönlichkeit und wir sind Freunde, weil du so bist, wie du bist."